Quelle: BigBlueButton
Autor: woecki
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|| F.A.Z. Kaufkompass
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TikTok: Was wie eine Droge wirkt, muss wie eine Droge bekämpft werden – DiePresse.com
TikTok: Was wie eine Droge wirkt, muss wie eine Droge bekämpft werden von Sibylle Hamann 5–6 Minuten Plattformen wie TikTok machen süchtig, schädigen die Gehirne von Kindern und zersetzen die Gesellschaft. China hat das längst kapiert, Europa nicht. Österreich schützt seine Kinder. Der Mutter-Kind-Pass sorgt dafür, dass sie schon als Babys alle notwendigen Untersuchungen bekommen. Es gibt die Schulpflicht, die elterliche Unterhalts- und Fürsorgepflicht, im Ernstfall schreitet das Jugendamt ein. Gesetze schützen Kinder vor Gewalt, vor sexuellen Übergriffen und der Ausbeutung ihrer Arbeitskraft. Konsumentenschutz bewahrt sie vor Giftstoffen im Spielzeug und im Essen. Jugendschutzbestimmungen (neun verschiedene sogar, für jedes Bundesland) halten sie davon ab, abends in schlechte Gesellschaft zu geraten. Jugendliche dürfen keinen Alkohol und keine Zigaretten kaufen – das beugt Sucht und Krankheiten vor. Fürs Wellenbad, die Hochschaubahn und den Casinobesuch gilt ein Mindestalter, fürs Radfahren auf der Straße ebenfalls. Im Auto gehören Kinder ordentlich angeschnallt in den Kindersitz und von der Bank gibt’s keinen Kredit. All diese Vorschriften sind sinnvoll. Kaum jemand stellt sie infrage. Klarerweise werden sie alle einmal verletzt. Doch wenn das entdeckt wird, gibt es Strafen – für die Hersteller einer Ware, für jene Erwachsenen, die ihre Sorgepflichten vernachlässigt haben, oder gar für beide. Die Strafe gilt natürlich unabhängig davon, wo das problematische Produkt herkommt. Die Gurtenpflicht auf Österreichs Straßen gilt auch in japanischen Autos, das Ausschankverbot auch für Wodka aus Russland. Lungen, Knochen und andere Körperteile unserer Kinder werden also rundum in Watte gepackt und gesellschaftlich behütet. Wie ist es da gleichzeitig möglich, dass wir hilflos zuschauen, wie ihre wichtigsten Organe, ihre Gehirne nämlich, permanenter Verwüstung ausgesetzt sind? Hiermit ist TikTok gemeint, ein chinesisches Erzeugnis. Es ist die derzeit wichtigste Videoplattform für Teenager, ein endloser, süchtig machender Nonsens-Strom. Im besseren Fall frisst er bloß Zeit, stört die Konzentrationsfähigkeit und das Wohlbefinden. Im schlimmeren verleitet er zu idiotischen Challenges und Mutproben. Im allerschlimmsten zieht er Kinder und Jugendliche in Wahnwelten hinein, die radikal, asozial oder gewalttätig machen. Schädliche, suchterzeugende Stoffe sind von Minderjährigen fernzuhalten – wo, bitteschön, ist jene Instanz, die diese Selbstverständlichkeit endlich durchsetzt? Die den Drogendealern den Saft abdreht; sie für die von ihnen verbreiteten Inhalte haftbar macht; und sie bei Vernachlässigung ihrer Sorgfaltspflichten mit hohen, schmerzhaften Geldstrafen belegt? »Die chinesische Führung exportiert das Gift ja bloß und hält die eigene Bevölkerung davon fern. TikTok gibt es in China gar nicht.« Die autoritäre, kommunistischkapitalistische Führung in China muss sich ins Fäustchen lachen, wenn sie die aktuellen Entwicklungen in Europa verfolgt. Sie kann live dabei zuschauen, wie simpel es ist, liberale Demokratien von innen heraus zu zersetzen. Man muss bloß die sozialen Medien mit Fake News, Hetze und banalem Unsinn fluten, die Algorithmen auf scharf stellen, Putins Trolle und Elon Musk noch ein bisschen nachhelfen lassen – und der Rest ergibt sich dann ganz von selbst: Radikalisierung, Spaltung, allgegenwärtige Angst. Wie schnell diese Dynamik die Stabilität einer Gesellschaft gefährden kann, weiß die chinesische Führung selbstverständlich. Deswegen exportiert sie das Gift ja bloß und hält die eigene Bevölkerung davon fern. TikTok gibt es in China gar nicht. Das Produkt für den eigenen Markt heißt Douyin, und ist eher ein Nonstop-Homeshopping-Kanal, in dem Konsum, Pop und Regierungspropaganda zu einem nationalistischen Amalgam verschmelzen. Douyin hat ähnliches Suchtpotenzial wie TikTok. Nicht nur bei Teenagern, auch bei über 50-Jährigen. Douyin verschickt daher regelmäßige Erinnerungen, eine Pause zu machen. Es gibt einen Senioren-Modus, der bei Suchtverhalten Warnungen sendet. Für unter 14-Jährige ist die Nutzungszeit auf 40 Minuten pro Tag beschränkt, zwischen 22 und 6 Uhr wird die App für Kinder ganz abgeschaltet. Die Inhalte kontrolliert das Regime sowieso. Nein, das liberale Europa sollte den Chinesen nicht alles nachmachen. Aber bei der Gefährlichkeit ihrer eigenen Erfindungen kennen sie sich offenbar besser aus als wir. Reaktionen an: debatte@diepresse.obfuscationcom Zur Autorin: Sibylle Hamann war 25 Jahre lang Reporterin (u. a. für „Kurier“, „Profil“, „Falter“), Kolumnistin für die „Presse“, Buchautorin. Von 2019–2024 war sie Nationalratsabgeordnete und Bildungssprecherin der Grünen.
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| ZEIT ONLINE
https://www.zeit.de/arbeit/2024-10/stress-arbeit-tipps-entspannung-gelassenheit?wt_cc3=01w0606k1016inhemanew2404f{mid}&utm_medium=email&utm_source=fdz_weekly_artikel&utm_campaign=fdz_newsletter&utm_content=01w0606k1016inhemanew2404f{mid}&wt_zmc=emanew.Int.zabo.fdz_weekly_artikel.fdz_newsletter.x